Österreichische AIDS Gesellschaft

HIV Therapie

Kapitelübersicht:

 

 

Die zentrale pathogenetische Hypothese, dass die fortgesetzte Virusreplikation die Progression der HIV-Infektion bestimmt, hat sich bestätigt. Dementsprechend verhindert eine antiretrovirale Therapie durch Hemmung der Virusreplikation die Krankheitsprogression, führt zur Rückbildung HIV-bedingter Symptome und zu einer klinisch relevanten Immunrekonstitution.

Die verbesserten Therapiemöglichkeiten haben in den letzten Jahren die Lebenserwartung HIV-infizierter Personen deutlich erhöht und damit auch schon verloren geglaubte Lebensperspektiven wieder eröffnet.

 

Wirkungsweise der HIV-Medikamente

HAART (highly active antiretroviral therapy) ist eine Kombination antiretroviraler Medikamente, mit deren Hilfe man die Virusreplikation fast vollständig unterbinden kann.

Es stehen zurzeit 5 Klassen an Wirkstoffen für die HIV-Therapie zur Verfügung, die an 4 unterschiedlichen Schritten in die Virusvermehrung eingreifen:

1) Zunächst muss das HI-Virus an eine Zelle binden und mit ihr verschmelzen. Diesen Schritt können sogenannte Entry-Inhibitoren blockieren. Diese Substanzklasse besteht zurzeit aus einem Fusions-Inhibitor, der die Verschmelzung des HI-Virus mit der Körperzelle hemmt und einem Korezeptorantagonisten, der die Bindung der Viren an den CCR5-Rezeptor auf der Oberfläche der Zellen blockiert.

2) Ist HIV in die Zelle gelangt, wird nachfolgend das genetische Material des Virus von RNA in DNA umgeschrieben. Diesen Vorgang führt ein Enzym namens Reverse Transkriptase durch. Zwei Wirkstoffklassen setzen hier an: Die NRTIs (Nukleosidische Reverse Transkriptase-Inhibitoren) stören als „falsche Bausteine“ diesen Vorgang.  Die NNRTIs (Nicht-nukleosidische Reverse Transkriptase-Inhibitoren) besetzen das aktive Zentrum des Enzyms und hemmen so die weitere Vermehrung des Virus.

3) Die neu transkribierte DNA der HI-Viren wird daraufhin in den Zellkern transportiert und in das menschliche Genom eingebaut. Dieser Schritt kann durch Integrase-Inhibitoren unterbunden werden.

4) Konnte sich HIV in die Erbinformation der Zelle integrieren, werden bei Aktivierung neue Virusbestandteile produziert. Dazu wird vom HI-Virus ein Enzym namens HIV Protease benötigt, um in dieser Reproduktionsphase seine eigenen Proteine korrekt abzulängen und zusammensetzen zu können. Wenn Protease-Inhibitoren dieses Enzym blockieren, können lediglich defekte und nicht-infektiöse Viruspartikel entstehen.

Eine Übersicht über die viralen Vermehrung und Angriffspunkte der HIV-Medikamente finden Sie hier:

Übersicht Medikamente der HAART als pdf_Stand 07 2016

 

Ein Kurzvideo über die virale Vermehrung und Angriffspunkte der HIV-Medikamente finden Sie unter folgendem Link:

http://www.youtube.com/watch?v=wkIN-cTXbm4

Unter folgendem Link finden Sie das „HIVBuch“ mit detaillierten Informationen zu Substanzklassen und einzelnen Wirkstoffen: http://hivbuch.de/category/teil-2-antiretrovirale-therapie-art/6-2-substanzklassen-medikamentenubersicht/

Die aktuelle Ausgabe des Buches "HIV 2014/2015" steht hier zum Download zur Verfügung.

 

Zusammensetzung der individuellen HIV-Therapie

Kombiniert werden individuell drei oder vier Komponenten aus dem Pool der unterschiedlichen Wirkstoffklassen. In der Initialtherapie sind dies immer zwei Substanzen aus der Klasse der nukleosidischen Inhibitoren der Reversen Transkriptase (NRTI) in Kombination mit entweder einem Protease Inhibitor (PI), einem Integrase Inhibitor (INI) oder einem Nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptase Inhibitor (NNRTI).

Unter folgendem Link finden Sie das „HIVBuch“ mit detaillierten Informationen zur Auswahl der Primärtherapie: http://hivbuch.de/category/teil-2-antiretrovirale-therapie-art/6-6-mit-welcher-art-anfangen/

Die aktuelle Ausgabe des Buches "HIV 2014/2015" steht hier zum Download zur Verfügung.

 

Start einer HIV-Therapie

Der Beginn einer Therapie ist abhängig von individuellen Faktoren, wird jedoch meist ab 350-500 Helferzellen pro µl Blut empfohlen. Die Empfehlungen zum Therapiebeginn entwickelten sich im Laufe der letzten Jahre zu Start bei bereits höherer CD4-Zellzahl, da sich in großen klinischen Studien die günstigen Auswirkungen eines früheren Therapiestarts bestätigt haben. Die Empfehlungen werden in Form nationaler und internationaler Leitlinien von Experten beschlossen und kontinuierlich nach aktuellem Wissensstand adaptiert. Dabei können die Leitlinien unter Umständen leicht differieren.

So empfehlen die Richtlinien der Weltgesundheitsbehörde WHO, sowie der IAS (International AIDS Society) seit Sommer 2013 einen Start bei 500 CD4/µl. Prinzipiell soll die Therapie individuell aber allen Patienten zumindest zugänglich sein, bzw. darüber hinaus Patienten in serodifferenten Partnerschaften unabhängig der CD4-Zellzahl angeboten werden. Die aktuellen Richtlinien der EACS (European AIDS Clinical Society) von Herbst 2013 inkludieren einen Beginn der Therapie ab 350 CD4/µl. Gleichzeitig sollen aber mit allen anderen Patienten die Vorteile der Therapie individuell diskutiert und ein Start in Erwägung gezogen werden.

Diese übergreifenden Richtlinien werden nochmals für die nationale Ebene adaptiert. Die aktuellen deutsch-österreichischen Leitlinien finden Sie hier: ...interner Link zum Unterpunkt „HIV-Therapie Leitlinien“

Unter folgendem Link finden Sie das „HIVBuch“ mit detaillierten Informationen zum Zeitpunkt des Startes einer HIV-Therapie: http://hivbuch.de/category/teil-2-antiretrovirale-therapie-art/6-5-wann-mit-art-anfangen/

Die aktuelle Ausgabe des Buches "HIV 2014/2015" steht hier zum Download zur Verfügung.

Unter folgendem Link finden Sie die aktuellen Behandlungsrichtlinien der EACS:

http://www.eacsociety.org/Guidelines.aspx

 

 

Adhärenz

Entscheidend für den Therapieerfolg und um Resistenzen zu vermeiden ist, dass der Patient seinen Therapieplan einhält (Adherence=Therapietreue).
Zunehmend kommen Medikamente auf den Markt, welche mehrere Substanzen (2-4) in einer Tablette enthalten und auf diese Weise die Einnahme erleichtern. Neuere Präparate bewirken zusätzlich weniger unerwünschte Nebenwirkungen.

Im Zuge des medizinischen Fortschritts und steigender Lebenserwartung der Patienten, hat sich die Therapie als akute Überlebensstrategie in eine lebenslange Medikation gewandelt. Für Behandler und Patienten ist die nachhaltige Adhärenz und Verträglichkeit somit in den Vordergrund des langfristigen Therapieerfolges gerückt.

 

Resistenzen

Das HI-Virus ist sehr wandlungsfähig und äußerst flexibel. Es kann daher gegen jede antiretrovirale Substanz Virusvarianten selektionieren, welche eine hochgradige Einschränkung der Empfindlichkeit (Resistenz) aufweisen. Die Gabe von mehreren Wirkstoffen in Kombination und in ausreichender Dosierung ist eine wirksame Methode, um eine Resistenzselektion zu verhindern und ein langfristige Wirkung der Therapien zu gewährleisten.

Unter folgendem Link finden Sie das „HIVBuch“ mit detaillierten Informationen zu Resistenzen: http://hivbuch.de/category/teil-2-antiretrovirale-therapie-art/9-mitochondriale-toxizitat/10-resistenzen-und-tropismus/

Die aktuelle Ausgabe des Buches "HIV 2014/2015" steht hier zum Download zur Verfügung.